Hertz 87,9 e.V.
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Anfang 1998 hat sich innerhalb des Uni-Funks eine Gruppe von Studierenden gebildet, die sich erneut an den Aufbau eines Hochschulsenders in Bielefeld machten. Um das Projekt innerhalb der Universität auf eine stabile Basis zu bringen, war das erste Ziel der »Projektgruppe CampusRadio«, den Beistand des Rektorats der Universität Bielefeld zu bekommen, die das Projekt sowohl materiell (z.B. durch das Bereitstellen von Räumen und einer Beteiligung an der Finanzierung) als auch ideel unterstützen sollten. Im Sommer 1998 wurde ein ausführliches Konzeptpapier erarbeitet, in dem die organisatorischen und technischen Strukturen, sowie die Philosophie von Hertz 87,9 grundsätzlich entwickelt wurde. Als ein Grund für die Einrichtung eines Hochschulsenders wird im Konzeptpapier der Imagegewinn für die Universität genannt. Einerseits „verschafft das CampusRadio der Universität eine neue Art der Öffentlichkeit“ und „bietet eine Plattform, um Wissenschaft zu präsentieren“. Andererseits erhöht es die „Attraktivität des Hochschulstandorts Bielefeld“ in Bezug auf die Identifikation der Studierenden mit der Universität als auch auf den Wettbewerb unter den Hochschulen. Als weitere Argumente für ein „CampusRadio“ werden im Konzeptpapier der Beitrag zur Ausbildung an der Universität Bielefeld angeführt, der den Studierenden durch „mehr Praxisnähe“ den „Einstieg in das Berufsfeld Medien“ erleichtern soll und die mögliche Vernetzung mit Fakultäten der Universität. Auch die Fachhochschule Bielefeld und die Kirchliche Hochschule Bethel sollten am Projekt beteiligt werden, um den Sender zum Radio aller Hochschulen in Bielefeld zu machen. Ende September 1998 wurde das Konzept im Rektorat der Universität präsentiert und stieß auf breite Zustimmung. Am 4.12.1998 wurde der Trägerverein Hertz 87,9 e.V. gegründet und bildet seitdem den rechtlichen Rahmen von Hertz 87,9. Die Rektorate und Studierendenschaften der Universität, Fachhochschule und Kirchlichen Hochschule Bethel, sowie das Studentenwerk Bielefeld und die Westfälisch-Lippische Universitätsgesellschaft sind als juristische Personen Mitglied des Vereins. Weiterhin sind medieninteressierte Mitarbeiter der Hochschulen aus Lehre und Verwaltung Mitglieder des Vereins. Der Großteil der mereinsmitglieder rekrutiert sich aus redaktionellen Mitarbeitern von Hertz 87,9. Vorsitzender im fünfköpfigen Gründungsvorstand war Dieter Baacke. Nach seinem plötzlichen Tod wurde der Vorstand ausgeweitet. Erster Vorsitzender wurde Prof. Johannes Fromme von der Fakultät für Pädagogik, zweiter Vorsitzender Prof. Braungart von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft. Die weiteren Mitglieder im Vorstand werden durch die studentischen Mitarbeiter des Hochschulradios besetzt, welche die Positionen der Redaktionsleitung, Ausbildungsleitung, Projektleitung und der technischen Leitung inne haben. Durch die Mehrheit der studentischen Redaktion im Vorstand und unter den Vereinsmitgliedern ist Hertz 87,9 weiterhin als studentisch verwaltetes Projekt zu sehen. Neben dem Trägerverein und der Redaktion von Hertz 87,9 gibt es auch einen Programmbeirat. Dieses vom Trägerverein unabhängige Gremium hat laut Satzung die Aufgabe, die Redaktion in Programmangelegenheiten zu beraten und die Erfüllung des Programmauftrags nach § 33a LRG NW zu überwachen.
Vorsitzender des Programmbeirats ist Gerhard Trott (Leiter der Pressestelle der Universität Bielefeld). Weiterhin sind die oben aufgeführten Institutionen durch jeweils eine Person vertreten. Im Herbst 1998 wurde neben der Redaktionsleitung auch die Position der Projektleitung mit einer studentischen Hilfskraft besetzt. Die Stelle wird bis heute über das Rektorat der Universität getragen. Die Projektleitung ist für die Belange des Vereins zuständig und führt die Geschäfte von Hertz 87,9. Anfang 1999 kam mit der Ausbildungsleitung eine weitere bezahlte Hilfskraftstelle dazu, die wie die Stelle der Redaktionsleitung zu gleichen Teilen von den Fakultäten für Pädagogik und für Linguistik und Literaturwissenschaft getragen wird. Die Ausbildungsleitung ist für die Aus- und Fortbildung der Mitarbeiter und für die Verknüpfung mit der Hochschul-Lehre zuständig. Redaktionsleitung, Projektleitung und Ausbildungsleitung bilden die zentralen Verantwortungsbereiche bei Hertz 87,9 ab und scheinen durch langfristige Zusagen der Träger auch gesichert. Im Konzeptpapier war eine Anschubfinanzierung von ca. 77.000,- DM für den Aufbau (hauptsächlich für die technische Ausstattung und die Frequenz) von Hertz 87,9 vorgesehen. Letztendlich wurden über 100.000 DM investiert. Die laufenden Kosten betragen heute (abzüglich der studentischen Hilfskraftstellen) etwa 2.000 € pro Monat. Ein großer Teil der Anschubfinanzierung wie auch der laufenden Kosten wurde bzw. wird von den Studierenden der Universität getragen. Im November 1998 entschied das Studierendenparlament der Universität Bielefeld (nach Vorschlag einer studentischen Vollversammlung), dass Hertz 87,9 ab dem Sommersemester 1999 pro Studierenden eine Mark des jeweiligen Semesterbeitrags erhält. Weiterhin beteiligten sich an der Finanzierung von Hertz 87,9 das Rektorat der Universität, das Studierendenparlament der Fachhochschule, das Studentenwerk Bielefeld, die Westfälisch-Lippische Universitätsgesellschaft, die Fachhochschul-Gesellschaft, die Landesanstalt für Rundfunk NRW, das Wissenschaftsministerium NRW und die Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial-Versicherungen.
Im Juli 1999 hat das Bielefelder Hochschulradio neue Räume bezogen, die von Seiten der Universität zur Verfügung gestellt und zum Teil umgebaut worden sind. Ein Großteil der nötigem Umbauten ist in Eigenarbeit der Studierenden geleistet worden, wie auch die Anschaffung und der Aufbau der technischen Geräte. Das gängige Speichermedium für Außenaufnahmen und zur Archivierung von Beiträgen ist bei Hertz 87,9 heute Mini-Disc, geschnitten werden die Beiträge an mittlerweile sechs digitalen Schnittplätzen. Die Musik für das Programm liegt hauptsächlich als MP3-Dateien vor, die jeweils von CD umgewandelt und bearbeitet werden müssen. Auf dem zentralen Server sind heute über 4.500 Musikstücke als MP3 gespeichert.
Entscheidender Zeitfaktor beim Aufbau von Hertz 87,9 war die Frequenz, die gefunden, koordiniert und zugewiesen werden musste. Schon im Oktober 1999 hatte die Telekom die UKW-Frequenz 87,9 MHz als freie Frequenz für den Raum Bielefeld gefunden. Das Koordinierungsverfahren durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) war dann erst im Oktober 2000 abgeschlossen. Schließlich musste die Frequenz durch den Landtag NRW an Hertz 87,9 vergeben werden. Die Freischaltung der Frequenz erfolgte am 5.12.2000. Erst nach Zuteilung der Frequenz wurde die Zulassung nach § 33a LRG NW durch die Landesanstalt für Rundfunk erteilt. Der Antrag auf Zulassung wurde schon kurz nach der Vereinsgründung im Januar 1999 gestellt. Die endgültige Sendelizenz wurde erst zum offiziellen Sendestart am 6.12.2000 durch eine Vertreterin der LfR an Hertz 87,9 übergeben.
Hertz 87,9 versteht sich laut Konzeptpapier
„vorrangig als Ausbildungsradio: Studierende können hier erste Erfahrungen mit dem Medium Radio sammeln und journalistische Grundtechniken erlernen. Geboten wird ihnen alles, was den Radio-Alltag bei professionellen Sendern ausmacht: umfangreiche Recherchen, Umgang mit schwierigen Themen und InterviewpartnerInnen, Schneiden der O-Töne per Computer, Produktion von Beiträgen, live sprechen vor dem Mikrophon – und das alles unter radiotypischem Zeitdruck“ (Projektgruppe CampusRadio 1998, S. 5).
Auf Grundlage dieses Selbstverständnisses gab es immer Bestrebungen, das Hochschulradio in die Lehre der Hochschule zu integrieren . Im Unterschied zum Aufbau des Uni-Funks und der damit verbundenen Qualifizierung »Hörfunk-Journalismus« ist Hertz 87,9 ein selbständiges Projekt und insofern ging die Initiative zu einer Verknüpfung mit der Lehre größtenteils von den studentischen Verantwortlichen bei Hertz 87,9 aus. Noch grundlegender als das Selbstverständnis als Ausbildungsradio ist m.E. die Tatsache, dass Hertz 87,9 ein eigenständiger Radiosender ist und als solcher wahrgenommen wird. Insofern ist das Projekt klar produktorientiert, als dass es sich maßgeblich über das Programm definiert. Die Ausbildung hat dadurch nicht den reinen Selbstzweck, Zusatzqualifikationen zu vermitteln, sondern die in einem studentischen Projekt strukturell bedingte Fluktuation durch Ausbildung neuer Mitarbeiter auszugleichen und so die Qualität des Programms zu sichern.



