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Im Gegensatz zu vielen anderen Hochschulradioprojekten geht der Uni-Funk an der Universität Bielefeld nicht auf studentische Initiative zurück. Obwohl es an der Uni Bielefeld keinen Studiengang wie Journalistik oder Kommunikationswissenschaft gibt, sollte eine Qualifizierungsmöglichkeit in diesen Bereichen geschaffen werden. Die ursprüngliche Initiative ging Anfang der 1990er Jahre von Dr. Scheffer aus, der damals als Dozent an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft tätig war und die Einrichtung eines Studienangebots in Richtung Medien und Kommunikation anstrebte. Mit diesem Anliegen wandte er sich an Helmut Fangmann, der bis 1994 der Referent des Prorektors für Lehre, Studienangelegenheiten und Weiterbildung war. Nach Angaben von Fangmann hatte Scheffer schon „einschlägige Seminare gehalten und mit seinen Studenten auch mal im Tonstudio gearbeitet“. Scheffer hatte nur einen befristeten Vertrag mit der Uni und „suchte über die Initiative wohl eine Dauerperspektive“. Fangmann hielt die geplante Studienrichtung und die sich daraus ergebenden beruflichen Perspektiven und die „Umfeldbedingungen für günstig (u.a. gab es eine mit Prof. Dr. Baacke prominent vertretene Fachrichtung Medienpädagogik, Tonstudio und Meister Walhorn, AVZ mit dem Filmemacher Blohm)“. Zudem war im Sommer 1991 der private Lokalsender Radio Bielefeld an den Start gegangen. Mit der damit verbundenen Einrichtung des Bürgerfunks in Bielefeld war die Möglichkeit entstanden, ein lokales Hörfunkprogramm aus der Hochschule auszustrahlen. Um das Projekt auf stabile Füße zu stellen, richtete Fangmann eine Arbeitsgruppe ein, der anfangs Dr. Scheffer und Prof. Dr. Baacke angehörten. Als Scheffer später die Uni verließ, übernahm Prof. Dr. Switalla von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft seinen Platz. Fangmann hatte damals über das von Ihm initiierte Projekt Studierende und Wirtschaft gute Kontakte zum Arbeitsamt und hat für den Uni-Funk eine ABM-Stelle geschaffen, die an der Fakultät für Pädagogik angesiedelt, aber komplett vom Arbeitsamt finanziert wurde. Die Stelle wurde im Februar 1992 mit Stephan Stolze besetzt, der zuvor eine Ausbildung zum lokalen Hörfunkjournalisten absolviert hatte. An der Uni Bielefeld wurde eine Uni-Funk Redaktion gebildet, die offen war für Studierende aller Fakultäten. Die erste Uni-Funk Sendung wurde in Zusammenarbeit mit Jürgen Mahnke, dem damaligen Chefredakteur von Radio Bielefeld, produziert und am 27. Februar 1992 ausgestrahlt. Ab März 1992 wurde im Tonstudio der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft an der Uni Bielefeld mit dem Tontechniker Peter Walhorn wöchentlich eine Sendung erstellt. In den 52-minütigen Sendungen gab es jeweils etwa fünf bis sechs Beitragsplätze zu den Oberthemen Wissenschaft, Bildungspolitik und Uni-Leben. Die Themen der Sendungen wurden auf einer wöchentlichen Redaktionssitzung besprochen, die Produktion der einzelnen Beiträge von der jeweiligen Redaktionsleitung betreut. Um Themen angemessen zu behandeln, waren viele Beiträge mit vier bis fünf Minuten länger als sonst im Programm der Privatradios üblich. Häufig wurden auch Schwerpunktsendungen zu einzelnen Themen produziert. Weiterer fester Bestandteil der Uni-Funk Sendungen war der Info-Block mit Hochschulnachrichten. Die durch das Arbeitsamt geschaffene Stelle lief im Februar 1994 aus. Die Stelle der Redaktionsleitung wurde dann durch eine studentische Hilfskraftstelle besetzt, die von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft, der Fakultät für Pädagogik und dem Rektorat der Uni Bielefeld getragen wurde. Seit März 1994 wurden die Uni-Funk-Sendungen nur noch im zweiwöchentlichen Rhythmus im Bürgerfunk von Radio Bielefeld ausgestrahlt.

Von vornherein war der Uni-Funk in die studienbegleitende Qualifizierung »Hörfunk-Journalismus« eingebettet. Studierenden aller Fakultäten sollte so die Möglichkeit gegeben werden, parallel zum jeweiligen Fachstudium eine Zusatzqualifikation zu erwerben. Die Qualifizierung war auf zwei Semester angelegt und in vier Bausteine aufgegliedert:
1. Hörfunk-Seminare
2. Hörfunk-Praktikum
3. Hörfunk-Technik
4. Sprecherziehung
Die Seminare waren aufgeteilt in Theorie- und Praxis-Seminare. Die theoretischen Seminare im Stundenplan des Projekts »Hörfunk-Journalismus« wurden größtenteils von Dozenten der Uni Bielefeld angeboten, die ihre an der jeweiligen Fakultät stattfindenden Veranstaltungen für die Projektteilnehmer geöffnet haben. Die Praxis-Seminare sollten die Grundlagen der praktischen Hörfunkarbeit vermitteln. Auch hier wurden zum Teil bestehende Angebote genutzt (z.B. das Seminar »Von der Idee zur Sendung« von Baacke). Für die praktischen Seminare wurden aber auch Lehraufträge an externe Radiopraktiker vergeben. Bestandteil der Qualifizierung war weiterhin die praktische Mitarbeit in der Redaktion des Uni-Funks. Die Projektteilnehmer sollten während ihrer Mitarbeit möglichst alle redaktionellen Aufgabenfelder (Reporter, Nachrichtenredakteur, Moderator, Chef vom Dienst) kennen lernen. Der dritte Baustein war die Einführung in die Hörfunk-Technik. Bis zum Wintersemester 1996/1997 erfolgte diese Einführung an einem analogen Schnittplatz (Bandmaschine). Dann wurde ein digitaler Schnittplatz eingerichtet. Schließlich mussten alle Projektteilnehmer einen Sprecherziehungs-Kurs besuchen. Diese Kurse wurden von der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft bzw. durch einen externen Lehrauftrag angeboten. Am Ende der studienbegleitenden Qualifizierung stand ein halbstündiges Abschlussgespräch. Den Absolventen wurde dann ein Teilnahme-Zertifikat ausgehändigt, das von Prof. Dr. Dieter Baacke und Prof. Dr. Bernd Switalla im Auftrag ihrer jeweiligen Fakultäten unterzeichnet wurde. Durch Kooperationen mit Hörfunk-Redaktionen in der Region sollte Absolventen dann der Einstieg in eine journalistische Berufstätigkeit erleichtert werden.
Die Qualifizierung »Hörfunk-Journalismus« wurde nur in der Anfangszeit des Projekts von Studierenden genutzt und durchlaufen. Mit dem Ende der ABM-Stelle Anfang 1994 lief die Qualifizierung langsam aus. In der Folgezeit wurde das Teilnahme-Zertifikat nur noch vereinzelt an Studierende vergeben, die alle Elemente absolviert hatten. Zum Ende der 1990er Jahre war das Angebot quasi nicht mehr existent. Der Uni-Funk als aktive, studentische Radiogruppe bestand jedoch weiter. Auch ohne die beschriebene Qualifizierung gab es stets Verknüpfungen des Uni-Funks zur Lehre der Universität Bielefeld. Im Sommersemester 1997 hat Prof. Dr. Braungart an der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft im Rahmen eines Seminars eine Literaturexkursion angeboten. Die beteiligten Studierenden haben gemeinsam ein einstündiges Radiofeature mit dem Titel Dichterkult und Dichterverehrung für den Uni-Funk produziert. Für dieses Feature, zu dem schriftliche Ausarbeitungen abgegeben wurden, wurden Leistungsnachweise vergeben. Eine ähnliche Zusammenarbeit gab es an der Fakultät für Pädagogik. Im Seminar »Von der Idee zur Sendung«, das Dieter Baacke regelmäßig im Wintersemester angeboten hat, wurden auch Beiträge für den Uni-Funk produziert, die zusammen mit schriftlichen Seminarergebnissen scheinfähig waren. Eine andere Art der Zusammenarbeit mit Lehrenden gab es im August 1998. Zusammen mit dem interdisziplinären Zentrum für Hochschuldidaktik (IZHD) hat der Uni-Funk damals das Seminar RadioAktiv angeboten. Das Seminar wurde von externen Journalisten begleitet und richtete sich an Wissenschaftler, die im Umgang mit den (Hörfunk-) Medien geschult wurden. Die vermehrte Berichterstattung über Wissenschafts- und Hochschulthemen und die damit verbundene Öffnung der Hochschule war neben der Qualifizierung der Studierenden eines der Hauptziele, die mit der Initiative Uni-Funk verbunden war. Bis zum November 2000 wurde in insgesamt 273 Sendungen über »Themen rund um die Hochschule« berichtet. Nach der ursprünglichen Initiative durch Mitarbeiter der Hochschule hat sich der Uni-Funk zu einem selbstverwalteten studentischen Projekt entwickelt, dass neben der Produktion von über 300 Sendungen im Bürgerfunk auch kulturell aktiv war.

Seit der Novellierung des LRG NW gab es in Bielefeld Überlegungen, nach § 33a auf eigener Frequenz zu senden. Am 28.6.1996 wurde im Rahmen des Sommerfests an der Universität Bielefeld sogar schon für einen halben Tag live gesendet. Obwohl zum Teil schon inhaltliche und technische Konzepte erarbeitet wurden, gingen die ersten Bemühungen nicht über das Planungsstadium hinaus.

AKTUELLER SONG

Vince Guaraldi Trio - Christmas Time Is Here (instr)

HERTZ 87.9

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