Hochschulnachrichten am 21.05.2012
Viele Abbrecher in den MINT-Fächern
Rund die Hälfte aller Studenten in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen schaffen es nicht bis zum Abschluss. Darauf weist der Arbeitgeberverband Nordmetall hin und beruft sich auf eine vom Bundesbildungsministerium veröffentlichten Studie. Ihr zufolge gäbe es vor allem in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik eine hohe Abbrecherquote. Demnach erreichte an den Universitäten nur jeder zweite Studienanfänger des Jahrgangs 2006/2007 einen Abschluss. An den Fachhochschulen sei die Lage etwas besser: Hier hätten nur rund 30 Prozent der Studierenden ihre Hochschulausbildung abgebrochen. Peter Golinski, Zuständiger für Bildungspolitik beim Arbeitgeberverband Nordmetall erwartet Verbesserungen von den Hochschulen. Es brauche eine intensivere Beratung, bessere Betreuung der Studenten sowie eine kritische Überprüfung der Lehre, so Golinski.
Experimentalphysik bekommt neue Räumlichkeit
Ab 2014 soll die Experimentalphysik der Universität Bielefeld in einem neuen Gebäude an der Morgenbreede untergebracht werden. Dieser Umzug wird wegen der Modernisierung des Universitätshauptgebäudes notwendig. Die mit den Bauarbeiten anfallenden Schwingungen und Schallemissionen könnten die Messungen der Physiker maßgeblich beeinträchtigen. Der Universitätsleitung zufolge bringe der Ersatzneubau für die Wissenschaftler deutliche Verbesserungen mit sich, weil darin noch mehr Anforderungen der modernen Physik umgesetzt seien. Dazu gehören 40-cm-starke Decken, große Verkehrsflächen sowie vor Tageslicht geschützte Labore. Die Kosten von rund 12 Millionen Euro sollen durch das Land NRW, den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW und die Universität Bielefeld gemeinsam getragen werden.
„Gender-Professur“ an der FH-Bielefeld
Die Fachhochschule Bielefeld besetzt den Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik mit einer sogenannten „Gender-Professur“. „Gender-Professuren“ sind Lehrstühle, die aus dem Strukturfond des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert werden. Durch Erfolge in der Geschlechter-Gleichstellung, bekommt die FH Bielefeld für zwei Jahre Mittel aus diesem Topf zugeteilt und kann somit eine neue Lehrstelle daraus finanzieren. Ab dem 1. August 2012 wird Dr. Andrea Kaimann als Professorin für die ingenieurwissenschaftlichen und betrieblichen Grundlagenfächer zuständig sein. Dr. Kaimann hat an der Universität Paderborn Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsingenieurwesen studiert und dort habilitiert. Vor ihrer Anstellung Ruf an die FH Bielefeld hat sie bei „pro Wirtschaft GT“ im Kreis Gütersloh gearbeitet.
Studie zur Regelstudienzeit
Knapp zwei Drittel der Studierenden schaffen den Bachelor in der Regelstudienzeit. Dies ist das Ergebnis einer bundesweiten Untersuchung des Statistischen Bundesamtes. Dabei wurden nicht nur Bachelorstudiengänge, sondern alle Abschlüsse aus dem Jahr 2010 erfasst und ausgewertet. So lagen die Masterabschlüsse zu knapp 50% in der Regelstudienzeit und Lehramtsprüfungen wurden zu etwa 30% innerhalb der vorgegebenen Studiendauer abgelegt. Insgesamt hat die Studie ermittelt, dass rund 40% aller Abschlüsse im Prüfungsjahr 2010 innerhalb der Regelstudienzeit erworben wurden. Es ist die erste Untersuchung dieser Art, eine Sprecherin des statistischen Bundesamtes erklärte jedoch, interne Untersuchungen im Jahr 2009 hätten ähnliche Ergebnisse gebracht. Die Regelstudienzeit ist besonders für Studierende, die BAföG erhalten, von hoher Relevanz, da die BAföG-Leistungen nur unter Ausnahmebedingungen über die Regelstudienzeit hinaus gewährt werden. Dies ist nur ein Grund, warum die Studiendauer seit Jahren ein kontrovers Diskutiertes Thema in der Hochschulpolitik darstellt.
Verlorene Klausuren müssen nicht bewertet werden
Eine Klausur, die verloren gegangen ist, kann nicht als bestanden bewertet werden. Dies hat das Verwaltungsgericht Koblenz entschieden. Ein Student am Zentrum für Fernstudien der Universität Koblenz-Landau hatte geklagt. Die Hintergründe: Im November 2009 ist im Studiengang Energiemanangement eine geschriebene Klausur verloren gegangen. Die Uni Koblenz-Landau teilte dem Betroffenen mit, dass er einen Anspruch auf Fertigung einer neuen Arbeit hat. Der Student beantragte aber, dass die Prüfung als bestanden bewertet wird. Dies lehnte die Universität ab. Daraufhin klagte der Student vor dem Verwaltungsgericht Koblenz. Das Gericht urteilte, dass eine fiktive Bewertung nicht möglich sei. Immerhin solle ein Student mit seiner Prüfung zeigen, dass er fachliche Qualifikationen erworben habe. Im Laufe des gerichtlichen Verfahrens schrieb der Student die Klausur mit Erfolg nach. Dennoch hielt er seine Klage aufrecht, um das Urteil des Verwaltungsgerichts Koblenz in dieser Frage zu erfahren.
Ablenkung lindert Schmerz
Die Konzentration auf „etwas Anderes“ hemmt die Übertragung von Schmerzen im Rückenmark, noch bevor sie das Gehirn erreichen. Experimente des Universitätsklinikums Hambur-Eppendorf mit 20 Freiwilligen haben dieses Phänomen nachweisen können. Schmerzlindernde Effekte seien abhängig von der Stärke der Ablenkung, berichten die Forscher. Sie vermuten, dass das Gehirn bei anspruchsvollen Aufgaben ein System im Hirnstamm aktiviert, das die Schmerzsignale auf Ebene des Rückenmarkes hemmt. Das geringere Schmerzempfinden während einer Ablenkung sei somit kein rein psychologisches Phänomen, sondern basiere auf einem aktiven Mechanismus, der bereits auf der frühsten Stufe der zentralen Schmerzverarbeitung einsetze. Die Ergebnisse der Studie legen auch nahe, dass therapeutische Ansätze wie beispielsweise die kognitive Verhaltenstherapie das Potential hätten, bis auf die Ebene des Rückenmarks zu wirken und dort schmerzrelevante Krankheitsprozess zu zu beeinflussen.



